Bauen2
Kommentare 2

Ein Hochbeet aus Weiden

Bislang hat es in meinem Garten nur geblüht. Er sollte einfach schön sein. Doch jetzt habe ich Lust auf Essbares bekommen. Ein paar Salate, Zucchini und Tomaten aus eigenem Anbau wären doch prima. Und damit ich keinen Ärger mit Schnecken bekomme, soll es ein Hochbeet sein. Außerdem gefallen mir Hochbeete und am besten die aus Weiden geflochtenen. Ich habe mich lange umgeschaut, ob es nicht irgendetwas Fertiges gibt, das ebenfalls gut aussieht, aber entweder scheinen Hochbeete unter dem Motto günstig & praktisch verkauft zu werden und dann mag ich nicht wirklich gern auf die Kunststoffplanken gucken oder sie sind enorm teuer. Also Weide selber flechten.

Zuerst stellt sich die Frage, woher ich die Weiden bekomme. Für meine Region lautet die Antwort: Biologische Station Bonn/Rhein-Erft. Die Bio-Station schneidet regelmäßig die Kopfweiden in der Siegaue.

Bei den Kopfweiden handelt es sich um keine eigene Baumart, sondern um einen charakteristischen Wuchs, der sich durch das Schneiden ergibt, nämlich kurzer Stamm und lang austreibende Äste. Die Bio-Station pflegt diese Bäume, weil sie ein grandioser Tummelplatz für Insekten sind. Je nach Witterung werden die Kopfweiden im Januar oder Februar geschnitten und können dann gegen eine Spende abgeholt werden. In anderen Regionen gibt es ebenfalls Biologische Stationen, aber auch die städtischen Bauhöfe sind ein guter Ansprechpartner.

Hochbeet1 Jetzt liegen also jede Menge Weidenruten in unserem Garten. Darüber eine nasse Decke, die die Weiden feucht hält, damit sie schön biegsam bleiben. Es fehlen mir nämlich noch die Stützen, um die die Weiden dann geflochten werden. Dafür suche ich ein besonders verrottungsbeständiges Holz. Im nahegelegenen Baumarkt fällt mein Blick auf Pflanzstäbe: 1,50 Meter hoch, 3 cm Durchmesser. Sie erscheinen mir ideal. Aber was ist das für ein Holz? Glücklicherweise habe ich einen ruhigen Tag erwischt und die Mitarbeiter haben Zeit, im Katalog zu blättern – denn „so eine Frage hat ja noch niemand gestellt“. Nach 20 Minuten kommt die Antwort: Bongossi. Es ist ein tropischer Laubbaum, nun ja. Aber fsc-zertifiziert. Ich kaufe 11 Pflanzstäbe und Kaninchendraht. Damit wird der Boden des Hochbeets ausgelegt, damit Wühlmäuse keine Chance haben. Dann noch eine Teichfolie, um die Seitenwände damit auszuschlagen und ein Tacker, um die Folie zu befestigen. Den Tacker leihe ich lediglich aus, weil ich nicht weiß, ob ich ihn noch mal brauchen werde.

Material
Weidenruten (Kopfweiden)
11 Pflanzstäbe, 3 cm Durchmesser
Kaninchendraht für den Boden
Teichfolie für die Seiten
Tacker und Klammern
Hammer
grober Astschnitt
(halbfertiger) Kompost
Gartenerde

Am liebsten hätte ich eine runde Form für das Beet, obwohl das zum Arbeiten nicht optimal ist, weil man sich in die Mitte recken muss, wenn der Durchmesser zu groß ist. Eine Armlänge bis in die Mitte ist die Faustregel, dann ist es von allen Seiten möglich, bequem zu arbeiten. Doch schließlich nehme ich von der runden Form Abstand, weil sie in unserem Garten zu viel Raum einnehmen würde. Sohnemann will ja auch noch Fußball spielen. Ich stecke stattdessen eine Art Ellipse mit spitzen Enden ab. Oder wie viele Besucher meinen: Ihr habt ja jetzt ein Schiff im Garten! Die spitzen Ecken sind wichtig, damit das Flechtwerk an den Enden nicht auseinandersteht – das betrifft die Weidenäste, die beim Flechten außen an den Stützen zu liegen kommen.

Wider Erwarten lassen sich die Pflanzstäbe mit einem Hammer gut in die Erde schlagen. Da hatte ich mehr Widerstand erwartet. Ich lege die Bodenfläche mit dem Kaninchendraht aus und dann kommt das Arbeiten mit den Weiden. Da meine Seitenflächen länger sind als manche Weidenäste, muss ich an einigen Stellen in der Mitte neue ansetzen. Das würde ich bei einem zweiten Versuch vermeiden (oder mich intensiver mit Flechttechnik beschäftigen). Ich flechte bis ungefähr 85 cm Höhe. Um die richtige Höhe für bequemes Arbeiten zu finden, kann man sich an der Küchenarbeitsplatte orientieren – sofern sie auf die eigene Körpergröße eingestellt ist.

Hochbeet2Anschließend schlage ich die Seitenwände mit der Teichfolie aus und tackere sie an den Stützen fest. Dann kommt ein Drittel grober Astschnitt ins Hochbeet, der aus dem Rückschnitt diverser Büsche aus unserem Garten stammt. Es folgt eine Schicht (halbfertiger) Kompost, für die ich meinen Thermo-Komposter komplett entleere, und schließlich ein Drittel Gartenerde, die der Gärtner liefert. Fertig ist das Hochbeet.

Hochbeet4Mein erster gärtnerischer Versuch im neuen Beet sind Zucchini, die grandios gedeihen. Allerdings habe ich nicht damit gerechnet, dass Zucchini-Pflanzen sooo groß werden. Auf jeden Fall essen wir den kompletten Sommer Zucchini. Nach unserem zweiwöchigen Sommerurlaub auch unglaublich große … die sollte man dann am besten füllen. Neben den Zucchini bleibt nur noch wenig Platz, den ich für ein paar Eichblatt-Salate nutze, die ebenfalls prima gedeihen. Ganz ohne Schnecken, frisch aus dem Vorrat. So habe ich mir das vorgestellt!

2 Kommentare

  1. Wunderschön! So ein Hochbeet wünsche ich mir auch: einfach außergewöhnlich und trotzdem solide und vor allem formschön. Guten Appetit bei den Zucchini. Richtig, die großen sind am besten gefüllt. Hmm.
    liebe Grüße
    christine

  2. Sabine Anne sagt

    Danke. Dann gleich an die Arbeit :-)) Das Hochbeet ist nicht schwer zu realisieren und passt in (fast) jeden Garten.
    Ligrü Sabine

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.