Nachbars Garten
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Der Garten hinter dem Meer

Es ist nicht ganz einfach diesen Garten zu erreichen. Und es ist auch viel mehr als ein Garten, nämlich eine Finca mit viel Land, die alleine in einer Bucht im Südosten der kleinen Kanaren-Insel La Gomera liegt. Die Bucht und die Ferienfinca tragen den gleichen Namen: El Cabrito.

Nur mit dem Boot oder zu Fuß kommt man hierher, eine Fahrstraße gibt es nicht. Von der Inselhauptstadt San Sebastian wandert man rund zweieinhalb Stunden, das hoteleigene Bötchen fährt seine Passagiere mitsamt dem Gepäck in zehn Minuten. Früher wurden auf El Cabrito Tomaten angebaut, dann kam die Kommune von Otto Mühl und nach deren Auflösung werden seit Ende der 80er Jahre Gäste auf der Finca empfangen. In kleinen, steinernen Reihenhäuschen und einigen Zimmern im alten Herrenhaus kann man Quartier beziehen und ist mittendrin in einer wunderschönen Gartenanlage. Insgesamt ist das Gelände rund 10 Hektar groß, und vieles, was man als Gast hier verspeist, kommt aus eigenem Bio-Anbau.

Bananenstaude-mit-Blüte

Collage Garten von El Cabrito

Direkt vorn an der Bucht sitze ich auf einer riesigen Steinterrasse, teils von Palmen und Oleander beschattet, und kann den Blick schweifen lassen. Über das Meer, hin zum höchsten Berg Spaniens, dem Teide, der in einiger Entfernung auf der Nachbarinsel Teneriffa aufragt und sich jeden Tag in neuer Aufmachung zeigt. Mal gekrönt mit einem Wolken-Hütchen, mal in Nebelgewänder gehüllt oder vom Abendrot in Szene gesetzt. Unzählige rundgewaschene Steine bilden einen großen Teil des Strandes und geben ihre ganz eigene Interpretation von „50 Shades of Grey“.

El Cabrito mit Blick auf Teide und Fender an der Mole

Mangos, Mangos, Mangos

Außerhalb der Terrasse ist der Garten auf der Seeseite durch eine breite Tamariskenhecke geschützt, die den Wind abhält und den salzigen Boden gut verträgt. Dahinter streife ich durch ein kleines Papayafeld und durch kleinwüchsige, standhafte Bananenstauden der Sorte „Dwarf Cavendish“. Es gibt Tomaten, Paprika, Gurken, Avocados, Zitronengras – und Mangos, Mangos, Mangos! Meine Lieblingsfrüchte in verschwenderischer Hülle und Fülle. Doch halt: Ich lerne, dass meine Lieblingsfrüchte gar nicht Mangos, sondern Mangas sind. Die Mango ist die Urform; sie wächst auf Meter hohen Bäumen, ist klein und häufig extrem faserig. Deshalb wird sie traditionell nicht aufgeschnitten, sondern in beiden Händen so lange gedrückt, bis sie ganz weich ist. Dann kann man ein kleines Loch in die Schale bohren und den Saft direkt aus der Frucht schlürfen. Das gibt aber auch gern mal eine Sauerei, wenn nämlich die Schale an anderer Stelle aufplatzt und der köstliche, aber klebrige Saft überall sonst landet, nur nicht im Mund.

Mangobaum

Meine Favoriten sind deshalb die veredelten Sorten, die auf klein gezüchteten Bäumchen umso größere Früchte bilden. Köstlich. Ich schneide entlang des Kerns eine Hälfte der Manga ab und zeichne mit dem Messer eine Gitternetzlinie hinein. Wenn man jetzt das Fruchtfleisch nach außen drückt, ergeben sich mundgerechte Stückchen, die man mit einem Löffel bequem abheben kann. Hmmm! Auf El Cabrito werden dazu noch unterschiedliche Manga-Sorten angebaut, die verschieden ausgeprägte Aromen haben, mal fast vanillig-süß, mal mit mehr Säure. Ich schwelge während der zwei Wochen, die wir hier verbringen, in Mangas.

aufgeschnittene Mango

Der Garten wird beschattet von vielen Palmen und einigen Bäumen mit länglichen, dunkelgrün glänzenden Blättern, an deren Ästen Kokosnüsse zu hängen scheinen. Müssten die nicht, wenn überhaupt, auf den Palmen wachsen? Aber nein, da hängen Datteln dran. Des Rätsels Lösung: Mamey-Bäume. Die Mamey-Früchte ähneln je nach Sorte äußerlich einer Kokosnuss, haben innen aber ein festes, leicht faseriges Fruchtfleisch, das mich am ehesten an Kürbis erinnert. Nicht so ganz mein Fall. Am besten schmeckt mir noch die Marmelade, die auf El Cabrito aus diesen Früchten gekocht wird.

Beim Blick durch das Fenster auf der Rückseite unseres Häuschen habe ich dann noch etwas ganz anderes entdeckt. Zwischen fedrigen Blättern leuchten rosa Rispen. Es ist rosa Pfeffer. Davon habe ich jetzt ein Gläschen in meiner Küche, und es macht mir jedes Mal gute Laune, wenn ich draufschaue und mich erinnere.

Rosa-Pfeffer-Baum

In El Cabrito steht im Übrigen auch der Liegestuhl, in dem ich das wunderbare Schultertuch gestrickt habe – während Sohnemann mit vielen anderen Kindern durch das Gelände getobt ist und unbedingt noch mal wiederkommen will. Ich auch.

Hier gibt es mehr Infos zu El Cabrito.

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