Im Beet
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Im Pfingstrosen-Rausch

Rosa Bauernpfingstrose

Bald kommen sie. Jeden Tag werfe ich einen kurzen Blick auf die Knospen meiner beiden Pfingstrosen. Die Päonien gehören zu meinen absoluten Lieblingsblumen. Meine erste Begeisterung galt den üppig gefüllten Bauernpfingstrosen, die so verschwenderisch groß und romantisch blühen. Am liebsten in strahlendem Pink oder kräftigem Dunkelrot. Diese beiden Stauden habe ich dann auch im Garten gepflanzt.

Die ungefüllten Sorten mit wenigen Blütenblättern und auffälligen Staubfäden fand ich damals im Vergleich eher schlicht, wenn dieses Wort im Zusammenhang mit Pfingstrosen überhaupt treffend sein kann. Doch wie das so ist bei Dingen, mit denen man sich intensiver befasst, verändert sich der Blick und heute finde ich gerade diese Züchtungen einfach unschlagbar elegant.

Pfingstrosenstrauss

Es ist ganz erstaunlich, dass eine Pflanze mit diesen Blüten so anspruchslos ist. Normalerweise hat eine solche Schönheit ihren Preis und macht den Gärtner zum unermüdlichen Diener einer zickigen oder hypersensiblen Diva. Bei den Pfingstrosen reichen aber in meinem Garten ein wenig Kompost, ein paar Hornspäne und manchmal ein stützendes Korsett aus Weiden. Die Genügsamkeit hängt allerdings mit einem sehr langsamen Wachstum zusammen. Im ersten Jahr nach der Pflanzung zeigte sich bei meinen beiden Stauden keine einzige Blüte und im Jahr darauf habe ich mich wie verrückt gefreut, als zwei oder drei kugelige Knospen immer dicker wurden. Für alle Nicht-Gärtner in meiner Familie ein völlig unverständlicher Freudentaumel angesichts eines offensichtlich doch so mäßigen Erfolgs. Doch was wissen sie von der Geduld, die man für eine frisch gepflanzte Pfingstrose aufbringen muss? Sie kann sich locker zwei oder drei Jahre Zeit nehmen, bis sie sich eingewöhnt hat und richtig zeigt. Dafür kann sie aber auch bis zu 100 Jahre einen Garten zieren.

Mit dem Pflanzen einer Päonie trifft man also quasi eine Entscheidung fürs Leben – es sei denn, der Garten bietet unbegrenzten Platz oder man nimmt eine schmerzhafte Trennung auf sich. Das war mir damals in dieser Tragweite nicht bewusst. Denn dann hätte ich mich vielleicht doch für eine edle Strauchpfingstrose entschieden. Mit 1000jähriger chinesischer Tradition und eventuell noch größeren Blüten. Oder für eine von den japanischen Itoh-Hybriden, der Kreuzung aus Strauch- und Staudenpfingstrose. Die länger blüht, weil nicht alle Knospen zur gleichen Zeit aufspringen.

Aber ich bin treu. Ich würde es niemals übers Herz bringen, meine beiden Bauernhortensien für eine dieser Sorten zu opfern. Außerdem gilt hier wie bei Rosen die Regel: Nie wieder an den gleichen Platz eine neue Pfingstrose pflanzen. Meine Lust auf andere Blütenfarben und -formen ist aber groß und deshalb nutze ich jede Gelegenheit, sie als Schnittblumen zu kaufen. So wie Päonien in den Bauern- und Blumenläden auftauchen, bin ich in leichter Erregung – ähnlich wie mein Sohn, wenn er vor den Süßwaren-Gläsern im Kiosk am Fußballplatz steht.

Gerade gestern bin ich durch Zufall in der Kölner Südstadt auf einen Blumenladen gestoßen, in dem viele Vasen mit großen üppigen Sträußen unterschiedlicher Pfingstrosen gefüllt waren. Ein Paradies! Aber auch hier musste ich mich wieder entscheiden – denn die Vielfalt hatte durchaus ihren Preis. Schließlich habe ich einige Exemplare erstanden, deren Farbe sich von knospigem Pink über aufblühendes Apricot hin zu vollerblühtem Beige wandelt. Traumhaft! Und wenn sie verblüht sind, gilt meine uneingeschränkte Aufmerksamkeit wieder den Bauernschönheiten in meinem Garten.

Pingstrosen als Schnittblumen in apricot

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